MUSEUM RATINGEN

RENATA JAWORSKA IM MUSEUM RATINGEN

Renata Jaworska, Robert Fleck, Kunstakademie Düsseldorf,
Renata Jaworska: Museum Ratingen
Renata Jaworska,
Renata Jaworska: Museum Ratingen
Renata Jaworska, Museum Ratingen
Renata Jaworska: Museum Ratingen

Renata Jaworska: Museum Ratingen“…Das Liniennetz, das sich in den früheren Arbeiten zunächst ziellos entwickelt, dann aus dem Gestus heraus eine Richtung findet und sich beinah kör­perhaft zu verdichten scheint setzt sie nun ge­radezu gegenläufig ein. Denn Ausgangspunkt ist jetzt das mit der Kartographie vorgelegte Skelett. Eine Struktur, die Jaworska durch Wiederholung, Überzeichnung, Verdichtung ihrer Eintragungen vereinnahmt. So liegt im zeichnerischen ab­schreiten oder rasantem durchkreuzen der Stra­ßen und Wege auch eine Form der persönlichen Aneignung. Die entstandenen Linien und Formen markieren diesen Prozess und die Karten werden durch die Über- und Umformung zu beherrschtem oder beherrschbarem Gebiet.

Motive der Reise, der Begegnung mit einer vor­mals fremden Umgebung beschäftigen Renata Ja­worska seit je her. Dabei fand das Rheinland als geografischer Ort ebenso wie als Kunstlandschaft schon früh ihr Interesse. Bereits als Schülerin in ihrer polnischen Heimat entschloss sie sich zu einem Studium an der Düsseldorfer Kunstakademie. Als Professor fiel ihre Wahl auf Jörg Immendorff, der bei Joseph Beuys studiert hatte und ab 1996 hier lehrte. Auch heute noch betont Renata Jaworska die besondere Rolle ihres Lehrers als Leitfigur für die Entwicklung ihres eigenen künstlerischen Konzepts. So darf man bei der Schülerin des Malers von Café Deutschland immer auch eine mehr oder weniger direkte politische Aussage in ihren Arbeiten erwarten und kann im Zusammenhang mit Karten, Gebieten und Territorien auch mit einer Erweiterung um das Motiv der Wanderung und Migration rechnen, wie sie in der Reihe Komunistka (S. 28-30) sinnfällig wird. Hier verdichten sich die Linien zu einer schemenhaften, gesichtslosen Gestalt, die in ihrer fließenden Hülle an eine in muslimischer Tradition verschleierten Frau erinnert. Wie ausgeschnitten und collagehaft appliziert ist ihr ein Kommunionkind beigegeben. Pastos gemalt, en face wie die erste und ebenso gesichtslos. Mit dem Titel Komunistka — dem polnischen Wort sowohl für Kommunistin wie für Kommunikantin — verweist die Künstlerin auf das kommunistische Regime wie auf die katholische Kirche, die beide das Polen ihrer Kindheit in gleichem Maße prägten und sich trotz der gegenseitigen Ablehnung den einhelligen kulturellen Rahmen der Gemeinschaft (lat. communio) bildeten. Jaworska variiert in den Gestalten das Thema des Aufeinandertreffens und erforscht zeichnerisch das Verhältnis von kultureller Zusammengehörigkeit, Auflösung, Abgrenzung und Vereinnahmung, das jenseits ihrer eigenen Geschichte vor dem Hintergrund der aktuellen Migrationsbewegungen eine besondere Brisanz erhält…“ (Text Dr. Alexandra König)

 

RENATA JAWORSKA